Waldmann-Mitarbeiter und ihre jahrzehntelange Erfahrung

Menschen statt Maschinen


Mehr als 20 gut ausgebildete Fachkräfte stehen in der Pforzheimer Manufaktur für den hohen Qualitätsanspruch der Waldmann KG: Sie fertigen aus hochwertigen Materialen edle Federn, schaffen mit seltenen Handwerkstechniken Unikate, lackieren, polieren und tüfteln an neuen Modellen. Jahrelange Erfahrung ist dabei eines der wichtigsten Pfunde, mit dem sie wuchern können. Das gilt insbesondere für Karl-Heinz Reichmuth: Er arbeitet seit über 50 Jahren bei Waldmann und hat den Firmengründer Adolf Waldmann noch persönlich als Chef erlebt.

Zu seinem 14. Geburtstag bekam Karl-Heinz Reichmuth von seiner Mutter einen Vier-Farb-Kugelschreiber geschenkt. „Und dann kam Waldmann“, sagt der heute 68-Jährige, wenn man ihn nach seinem beruflichen Werdegang fragt. 15 Jahre war der Pforzheimer alt, als ihn der Firmengründer Adolf Waldmann 1960 höchstpersönlich als Lehrling einstellte – zwei Jahre nachdem sein Unternehmen die weltweiten Patente für Zwei- und Vier-Farb-Kugelschreiber mit Drehmechanik angemeldet hatte.

Wenn Karl-Heinz-Reichmuth von seinen Lehrjahren beim traditionsreichen Schreibgerätehersteller Waldmann erzählt, dann klingen manche seiner Ausführungen tatsächlich wie aus einer anderen Zeit. Noch gut kann er sich auch nach über 50 Jahren daran erinnern, wie er als junger „Lehrbub“ immer mal wieder auf das Auto seines Chefs aufpassen musste – weil dieser keine Lust hatte, sich einen regulären Parkplatz zu suchen. Und auch der Choleriker Adolf Waldmann mit seiner weißen Arbeitskutte, der in entsprechender Stimmung auch einen Satz Goldkugelschreiber oder sein Telefon durch den Raum werfen konnte, ist ihm in lebhafter Erinnerung geblieben.

Nach Wehrdienst und Abschluss der Ausbildung war der Industriekaufmann von 1965 an zunächst für den landesweiten Vertrieb und Einkauf des mittelständischen Unternehmens zuständig, bevor er sich schließlich ganz dem europaweit guten Ruf von Waldmann verschrieb: Auf unzähligen Reisen quer durch den Kontinent trieb er den Export der edlen Schreibgeräte aus dem Schwarzwald voran, baute den Vertrieb in Spanien in Eigenregie auf und entwickelt Frankreich zu einem der wichtigsten Absatzmärkte. Parallel dazu erlebte er, wie die Manufaktur von ihrem innerstädtischen Standort zunächst in das frisch eingemeindete Eutingen und schließlich in den achtziger Jahren nach Birkenfeld zog. Bis heute steht er dem Geschäftsführer Stefan Schnirch in Fragen der Entwicklung und Konzeption neuer Schreibgeräte mit Rat und Tat zur Seite.

„In den vergangenen fünf Jahrzehnten haben sich viele Dinge verändert“, sagt Karl-Heinz Reichmuth, „aber die wesentlichen Dinge sind für uns immer gleich geblieben: die anspruchsvollen Handwerkstechniken und mit ihnen die Handarbeit, die bis heute in jedem einzelnen unserer Schreibgeräte steckt.“ Mit dem Wissen um die Arbeit, die hinter den Federn aus Birkenfeld steht, ist für das Waldmann-Urgestein dabei eines ganz klar: „Billigkugelschreibern aus Plastik schenke ich keine Beachtung.“